Sucht man nach den GrĂŒnden, die die wilde Katze zum Haustier werden ließen, so stĂ¶ĂŸt man in den verschiedenen historischen Epochen und den einzelnen LĂ€ndern auf recht unterschiedliche Ursachen.

Als vor etwa 4000 Jahren die Ägypter zur Zeit des Mittleren Reiches nilaufwĂ€rts nach SĂŒden auf einem Eroberungszug in das sagenumwobene Land Kusch, das ist Nubien, einfielen, um das Gold, das Ägypten reich machte, zu erobern, entdeckten sie dort noch etwas anderes - die nubische Falbkatze. WĂ€hrend diese bei den Nubiern «GĂ€diska» hieß, nannten die Ägypter sie einfach nach ihrer Stimme «Mau».

Wir sehen bereits, dass einmal die Falbkatze als Kulturfolger prĂ€destiniert war und von sich aus den Anschluss an die Menschen suchte. Fest steht auch, dass die Ägypter als sesshafte ackerbaubetreibende Menschen große Sorgen um ihre mĂŒhsam erworbenen und von MĂ€usen und Ratten stark dezimierten VorrĂ€te hatten. Waren sie doch seinerzeit stets davon abhĂ€ngig, ob der Nil das Land ĂŒberschwemmte und zu einer kurzfristig fruchtbaren Ebene machte oder ob die Wassermassen aus dem Inneren Afrikas ausblieben und DĂŒrre und Trockenheit einkehrten. So mussten zum Überleben stets große VorrĂ€te in den Speichern Ägyptens lagern. Eine Verlockung geradezu fĂŒr ganze Heerscharen von Nagetieren. Die Ägypter merkten sehr bald, dass eben diese Plagegeister gesuchte und bevorzugte Beute der Katzen darstellten. Durch diese Tatsache mag bald auch eine kultische Verehrung dieser «BeschĂŒtzer» ihrer VorrĂ€te dazugetreten sein.

Die Ă€gyptische Kriegsgöttin Sachmet, deren Symboltier der Löwe war, sandte aus allen eroberten LĂ€ndern dieses kleine zahme Ebenbild ihrer Löwen in ihre Heimat, damit es stellvertretend fĂŒr den Löwen dort in den Tempeln und ĂŒberall im Lande gefahrlos gehalten und angebetet werden konnte. Man achtete die Katzen sehr bald so hoch, dass sie beim Brand eines Hauses als erste gerettet wurden. Starb eine Katze, schnitten sich die Besitzer zum Zeichen der Trauer die Haare ab oder rasierten sich die Augenbrauen ab. Im Hauptheiligtum der Göttin Sachmet, in der Stadt Bast am nördlichen Nil, wurde die Katze besonders gepflegt und verehrt als Überbringerin menschlichen GlĂŒcks und göttlichen Segens. Bald wurde sie als Göttin «Barstet», HĂŒterin des Heimes, BeschĂŒtzerin der MĂŒtter und Kinder, verehrt. In der spĂ€teren Zeit galt sie darĂŒber hinaus als Göttin der Eleganz, der Grazie, der Koketterie, der sinnlichen Liebe, der Freude. Selbst als 1000 v. u. Z. die Pharaonen in Ägypten einbrachen und 500 Jahre spĂ€ter die Perser unter König Kambyses, blieben die Katzengöttin verschont und ihre Katzen unverĂ€ndert verehrt.

Wie die Geschichte berichtet, wurden die Katzen bei diesem Einfall der Perser in Ägypten den tapferen Ă€gyptischen Verteidigern der wichtigen Festungsstadt Pelusion zum VerhĂ€ngnis. Die Perser kamen, nach unzĂ€hligen vergeblichen Versuchen die Festung zu erobern, auf die List, sich alle lebenden Katzen auf ihre Schilde zu binden. So wagten die Ägypter nicht, die heiligen Tiere zu töten und streckten voller Verzweiflung die Waffen.

Der Geschichtsschreiber Herodot beschreibt um 440 V. u. Z. ein Katzenfest in Bast. Hunderttausende Menschen kamen aus ganz Ägypten nach Bast und brachten die im letzten Jahr verstorbenen einbalsamierten Katzen in SĂ€rgen aus Edelholz oder Edelmetall zum riesigen Katzenfriedhof zu FĂŒĂŸen der Göttin, denn nur dort durften sie bestattet werden. Ein weiterer Mittelpunkt eines derartigen Katzenkultes war das nahe gelegene Heliopolis, wo der Sonnengott Ra in Gestalt einer Katze verehrt wurde.

Nach Ende des 6. Jahrhunderts u. Z. wurde die Katze im Orient vom Propheten Mohammed tief verehrt und geliebt. Man erzĂ€hlt, dass sich Mohammed den Ärmel seines Gewandes abschnitt, als eine Katze darauf eingeschlafen war, nur um sie nicht stören zu mĂŒssen. Mohammed soll seine Getreuen mit dem Ehrentitel «Vater der Katzen» ausgezeichnet haben. Der gleiche Prophet Mohammed war jedoch in seiner Bekehrungswut seinen Gegnern gegenĂŒber erbarmungslos und ließ Köpfe ĂŒber Köpfe rollen. Noch heute wird die Katze von Mohammedanern und Hindus heilig gehalten, und sie ist wohl das einzige Tier, das von den Vertretern beider Religionen verehrt wird.

Bis etwa um die Zeitenwende tauchten Hauskatzen in Griechenland und Rom nur sporadisch auf. Griechen und Römer bevorzugten das Wiesel zur MĂ€usevernichtung. Katzenfelle wurden allerdings allerorts von PelzhĂ€ndlern angeboten, wie griechische Komödiendichter erzĂ€hlen. Bei den Griechen nahm spĂ€ter ĂŒbrigens die Stelle von Barstet die Göttin Artemis, BeschĂŒtzerin der Frauen und Göttin der Geburt, ein. In der berĂŒhmten Artemis-Grotte bei Beni-Hassan-el-Amar gibt es zahlreiche KatzengrĂ€ber und Bildnisse der Bastet.

Als die Katze ĂŒber Griechenland und Rom, wo sie als Sinnbild der Freiheit galt, nach Mitteleuropa kam, stellte sie ein kostbares Geschenk von großem Seltenheitswert dar. Wurde seinerzeit ein Hof ĂŒbergeben, dann wurde die Katze als kostbares lebendes Inventar namentlich im Protokoll aufgefĂŒhrt. Gerade aber ihre enorme Fruchtbarkeit, zĂŒchterisch gesehen an sich eine wĂŒnschenswerte Eigenschaft, hat sehr bald zu einer starken Wertminderung gefĂŒhrt. Überall wo Korn angepflanzt und nach der Ernte gelagert wurde, ĂŒberall wo StĂ€dte belagert und ausgehungert wurden, war die Katze als SchĂ€dlingsvertilger hoch geschĂ€tzt.

Im Mittelalter gab es unter den Christen einen katzenanbetenden Frey­ja-Kult. 1484 gebot Papst Innozens VIII. diesem Treiben mittels einer Bannbulle ein Ende. Die Katzen fielen in Ungnade. In der Zeit der Inquisition wurden sie sogar zum Symbol der Hexen. Mit diesen gemeinsam endeten sie oft auf dem Scheiterhaufen. Jetzt wurde der Katzenhass zum Kult. So endeten durch die Inquisition in 150 Jahren 30000 Hexen und Zauberinnen und auch Tausende von Katzen in den Flammen. Und alter Volksglauben sagt der Hauskatze bis in unsere heutige Zeit noch alle möglichen Wahrsagereien, Zaubereien und UnglĂŒcksbringerei nach. Denken wir nur daran, wie viele Menschen noch darauf achten, wenn ihnen eine schwarze Katze von der falschen Seite ĂŒber den Weg lĂ€uft, oder auf den Regen warten, wenn das KĂ€tzchen Gras frisst, und all solchen Unsinn!

Ein ganz anderer Grund war noch 1747 fĂŒr den KurfĂŒrsten des Erzstiftes Köln Anlass zu einer grausamen Anordnung gegen die bedauernswerten Dorfkatzen seiner Besitzungen. Sie störten ihn als ab und an in «seinen Revieren» wildernde Nutznießer am Niederwildbestand. Die Anordnung dieses geistlichen FĂŒrsten lautete: «Wir - Clemens August von Gottes Gnaden Erzbischof von Köln... tun hiermit kund und zu wissen: Da Uns angezeigt wurde und auch die tĂ€gliche Erfahrung lehrt, dass durch bestĂ€ndiges Auslaufen der Katzen in Feld und Wiesen die jungen Hasen und FeldhĂŒhner zum Nachteil der Jagd von diesen weggefangen und aufgefressen werden, sehen wir Uns zur VerhĂŒtung solcher SchĂ€den veranlasst, in Unserem Erzstift allen Unseren Untertanen ohne Ansehen der Person zu befehlen, allen in ihrem Besitz gehaltenen Katzen die Ohren, und zwar glatt am Kopfe, abzuschneiden. Die Katzen sollen dadurch daran gehindert werden, bei Tau oder Regenwetter in Feld und Wiesen auszulaufen und zu wildern. Es ist also Jedermann, gleich welchen Standes, verpflichtet, sofort nach ordnungsgemĂ€ĂŸer Bekanntmachung dieser Verordnung, entsprechend zu verfahren. Jeder Katzenhalter, der bei den monatlich durchzufĂŒhrenden Kontrollen als Zuwiderhandelnder festgestellt wird, zahlt fĂŒr jeden Fall der Zuwiderhandlung ein Viertel Goldgulden Strafe, die sofort exquiriert wird ... Gegeben zu Bonn, am 12. Mai 1747. »

Aber allen Verfolgungen des Mittelalters zum Trotz blieben die Katzen in Europa. Dichter und Philosophen der Renaissance brachten die Katzen wieder zu Ehren. Auch in Rom leben heute noch allein ĂŒber 140000 herrenlose Katzen in den unzĂ€hligen historischen Ruinen und GemĂ€uern. Sie bilden eine der wenn auch recht fragwĂŒrdigen Touristenattraktionen. Hunderte Ă€ltere Frauen, die oftmals selbst nicht genug zu essen haben, sorgen fĂŒr diese bedauernswerten Tiere.

Am spĂ€testen, und zwar erst im i8. Jahrhundert fĂŒhrte man die Hauskatze nach Nord- und SĂŒdamerika sowie nach Australien ein. Die Besiedelung Nordamerikas durch die weißen Einwanderer war auch ohne die Hauskatze kaum denkbar. Nur dank ihrer Hilfe war ein Schutz der VorrĂ€te vor den SchĂ€dlingen möglich. Jede Missionsstation besaß eine Katzenzucht. Auf den Karawanen zur GrĂŒndung neuer Besitzungen fĂŒhrte man stets einige Körbe voller Katzen mit. Selbst die Indianer ĂŒbernahmen die Hauskatze von den Weißen und wussten sie zu schĂ€tzen. Die Katzen wurden im gesamten Mittleren und Wilden Westen zu einer begehrten Handelsware. Selbst der Pest und dem Typhus, durch Ratten verbreitet, geboten die Katzen hier und da Einhalt, indem sie ihre Verbreiter verspeisten. Die erste Katze, die von Europa nach Paraguay gelangte, brachte ein Pfund reines Gold ein. Conquistador Herrera wog jede Katze, die nach Peru gebracht wurde, mit Gold auf. Aber auch der zu dieser Zeit in der Alten Welt verbreitete Aberglaube und Hexenglaube folgte den Eroberern in die Neue Welt und brachte den Katzen hier wie dort Hass und Verfolgung.

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